Wie Schütze ich mich vor unliebsamen Betreuern?

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "DasNeue Blatt".

Es kann jeden treffen, überall- und ganz unabhängig vom vom Alter: Auf einmal ist man zum Betreuungsfall geworden, kann sein Leben nicht mehr selbst bestimmen, nicht mehr über sein eigenes Geld verfügen. Keine Seltenheit!

Dann tritt das Betreuungsrecht in Kraft. Es ersetzt seit 1992 die Entmündigung, Vormundschaft und Pflegschaft. Jeder Bundesbürger kann von einer Sekunde zur anderen unter dieses umstrittene Gesetz fallen, durch einen Unfall, nach einer Operation, durch Alkoholprobleme oder auch böse Nachbarn. Und jeder, ob Arzt, Briefträger oder Hausmeister kann gegenüber der Behörde anregen, dass jemand ein Betreeungsfall werden soll.

„Leider hat sich gezeigt, dass viele Richter den Begriff falsch verstehen und die Betreeung dann anordnen, wenn in Wirklichkeit nur eine Haushaltshilfe oder sonstige persönliche Hilfe notwendig ist“, so der Münchner Rechtsanwalt Prof. Dr. Volker Thieler.

Nach einer Operation erkundigt sich z.B. der Oberarzt im Krankenhaus: „Brauchen Sie jemand, der sich etwas um Sie kümmert?“ Antwortet der Patient mit Ja, kann das schon ausreichen, dass ein wildfremder Mensch eingesetzt wird, um über Geld Alltag und Umgang des Patienten zu bestimmen.

Die Folgen sind oft unglaublich: Fremde dringen in die Privatsphäre ein, lassen Kranke oder Behinderte ans Bett binden, treiben sie in die Isolation. Plötzlich darf der Ehemann seine Frau nicht mehr sehen. Oder eine Rentnerin muss den Betreuer ihres Mannes ständig um Geld bitten und ein Haushaltsbuch führen.

Prof. Dr. Thieler: „Problematisch ist schon die Auswahl der Betreuer, die eine enorme Verantwortung tragen, aber keinerlei Ausbildung vorweisen müssen und oft nachlässig überwacht werden. Jeder kann in Deutschland Betreuer werden (ein guter Leumund ist allerdings Voraussetzung), der sich beim Amtsgericht um diese Aufgabe bemüht – während Eltern, Ehepartner und Kinder nicht automatisch in Betracht kommen.

Ein unglaubliches Beispiel: Die Ehefrau hat ihr gesamtes Vermögen auf dem Konto ihres Mannes deponiert, der sich um all ihre finanziellen Angelegenheiten kümmert. Als er einen leichten Schlaganfall erleidet, wird Betreuung beantragt. Die Gattin wird allerdings nicht als Betreuer eingesetzt. Sie ist nach Ansicht der Richter „zu alt“. Folge: Von heute auf morgen, kommt ein fremder Mensch in die Wohnung und bestimmt über die Vermögensverhältnisse der Eheleute.

Wie kann ich mich schützen? Das geht nur durch eine Vorsorgevollmacht. Darin bestimme ich für den Fall, dass ich geschäftsunfähig werde, wer mich betreut, wer meine Intetressen vertritt. In dieser Verfügung werden drei Bereiche umfassend geregelt: Vermögen, Aufenthalt und ärztliche Versorgung. Die Vollmachten müssen nicht notariell beurkundet werden. Wichtig ist aber, dass ein Arzt sie gegenzeichnet. Damit bestätigt wird, dass die Anordnungen bei voller Gesundheit getroffen wurden.

Weitere Informationen über Betreuungsverfahren und Vollmachten gibt es beim Senioren-Schutzbund München, Wolfratshauser Str. 80, in 81379 München

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